Foto: © Susan R. Skelton
Monika Bauert
Wer in die Biografie von Monika Bauert eintaucht, findet sich wieder in einem ‚Who-is-who‘ der Film- und Theaterwelt: Sophia Loren, Lil Dagover, Bernd Eichinger, Wolfgang Petersen, Jeanne Moreau, Leslie Caron, Ben Kingsley oder Joachim Król sind nur wenige zufällig ausgewählte Personen, die ihre berufliche Laufbahn schlagwortartig in einen Rahmen setzen. Monika Bauert ist national und international sicherlich eine der großen Kostüm- und Szenenbildnerinnen aus Deutschland.
Kindheit, Jugend & erste Ausbildung
Monika Bauert1 wurde als Tochter von Ingrid (geb. Keetman) und Heinz Bauert2 an Silvester 1943 in Posen geboren. Die Ehe wird 1944 geschieden und die Wirtschaftshistorikerin Dr. Ingrid Bauert3 flieht vor den russischen Bombardements und kehrt in ihren Geburtsort Wuppertal zurück4 – in das Haus ihrer Eltern in der Von-der-Tann-Straße in Elberfeld, wo Monika aufwächst. Nach ihrer Schulzeit erhält sie eine Ausbildung in der Malerei-Klasse in der Werkkunstschule bei Prof. Oberhoff und ist generell kunstinteressiert: 1962 absolviert sie ein Sommersemester „Schule des Sehens“ in Salzburg bei Oskar Kokoschka.
„Wir hatten Aktmodelle, die wir innerhalb einer halben Stunde malerisch erfassen sollten. Diese 30 Minuten wurden dann in der Folge immer weiter gekürzt, bis wir am Schluss fünf Minuten Zeit zur Abbildung hatten – so dass wir lernten, das Gesehene auf das Wesentliche zu reduzieren.“5
Im Wuppertaler Studententheater Litteraria produziert sie 1962 ihr erstes Bühnenbild für George Bernhard Shaws Helden.
Theater
1962 wird sie Bühnenbildassistentin beim Bayrischen Staatsschauspiel München. Es ist die ‚große Zeit des Bühnenbildes‘, das längst die frühere rein dekorative Bedeutung verloren hat, zur autonomen Kunstform geworden ist und durch viele berühmte Künstler beeinflusst wird – unter ihnen auch Kurt Hallegger, der als Bühnenbildner am Staatsschauspiel München arbeitet.
Dennoch bewirbt sie sich bald wieder in ihrer Heimatstadt an den Wuppertaler Bühnen, an der Hanna Jordan als Bühnenbildnerin arbeitet. Sie soll ein lebenslanges Vorbild für Monika Bauert bleiben, wird sie unterstützen und hat an der Rückkehr nach Wuppertal „einen enormen auslösenden Anteil“6. Da die eigenständigen kreativen Arbeiten als Bühnenbildassistentin sehr begrenzt sind, vereinbart sie vor ihrer Anstellung klug mit Intendant Arno Wüstenhöfer, dass sie in den ersten vier Jahren eigenständige Bühnenbilder erschaffen kann: Im ersten Jahr ein Bühnenbild, im zweiten Jahr zwei, und in den Folgejahren wurden es dann zehn.
Zu den ersten Bühnenbildern, für die sie allein verantwortlich ist, gehört ‚Aladin und die Wunderlampe‘: „Ich war sehr von der Popart beeinflusst“7, ordnet sie es heute ein.
Für die feierliche Eröffnung des Wuppertaler Schauspielhauses 1966 entwirft sie die Kostüme für „Nathan der Weise“, Hanna Jordan ist beim Bühnenbild federführend.
Beinahe unzählige weitere Kostüme und Bühnenbilder für Theaterstücke, Opern, Operetten, Musicals, Kinofilme und Fernsehsendungen sollen im weiteren Werdegang von Monika Bauert entstehen.
Mitte der 1960er Jahre geht Monika Bauert mit den Deutschen Kammerspielen Buenos Aires als deutschsprachiges Tourneetheater nach Südamerika. Hier entwirft sie auch die Kostüme:
„In Buenos Aires spielten wir in einem Logentheater mit goldenen Karyatiden, aber mit wenig Bühnentechnik “8
Jeden Donnerstag wird alles eingepackt, um zum nächsten Aufführungsort zu reisen. Das Gewicht aller Bühnenkulissengegenstände ist stark limitiert durch Transportpreise und logistische Möglichkeiten. Monika Bauert lernt, mit wenig finanziellen Mitteln und möglichst wenig Ausstattung zu arbeiten. „Ich habe hier gelernt, dass Mangel kreativ macht“, berichtet sie und erzählt heute amüsiert, wie sie Ballonseide für Boots-Segel verwendete – auch, weil sie leichter an Gewicht waren.9
Zurück in Deutschland, findet sie eine Anstellung in Tübingen am Landestheater Württemberg-Hohenzollern10. Sie wechselt 1970 zu den Städtischen Bühnen Oberhausen und bald darauf zum Ulmer Theater.
Privat
Während einer Gastregie in Oberhausen zu Nicolai Erdmanns ‚Der Selbstmörder‘ begegnet Monika Bauert 1971 dem Regisseur Olaf Tschierschke: Eine Begegnung, die im selben Jahr die Hochzeit in Wuppertal Cronenberg, 48 Jahre Ehe, den jahrzehntelangen Ausbau eines stillgelegten Bahnhofs11 und fortwährende berufliche Zusammenarbeit nach sich zieht. Olaf Tschierschke stirbt im Jahr 2019. In einer beeindruckenden Todesanzeige wird Monika Bauert schreiben12:

Der restaurierte stillgelegte Bahnhof Denklingen
TV & FILM
Anfang der 1970er Jahre beginnt Monika Bauert für die Bavaria Atelier GmbH für Fernsehsendungen und -filme Kostüme zu entwerfen, so für Tatort-Sendungen mit Hansjörg Felmy (als Kommissar Haferkamp) und auch für Maria Schell. Götz George-Tatorte folgen.13 Für viele Folgen der Fernsehreihe „O’Henry erzählt“ gestaltet sie fortan Kostüme. Ein großes Interesse hat sie aber am Szenenbild – zu dieser Zeit noch fast ausschließlich von Männern besetzt.
Sie beginnt beim Süddeutschen Rundfunk Stuttgart (TV) als Szenenbildassistentin, bleibt aber für längere Zeit Kostümbildnerin und entwirft hierzu nun auch für Kinofilme:
Mit der Columbia Pictures-Produktion „Die Akte Odessa“ betritt sie auch im Kinogenre internationale ‚Bühnen‘. Sie begegnet hier Maximilian Schell und Shmuel Rodensky (berühmt durch ‚Anatevka‘).
1977 stattet sie in ‚Die Teufelsbraut‘ Lil Dagover (und andere wie Klaus Schwarzkopf) aus, im Folgejahr entwirft sie Kostüme für Sophia Loren, John Cassavetis, Max von Sydow für die Metro Goldwyn Maier-Produktion ‚Brass Target /Verstecktes Ziel‘.
1980-1981: Das Boot
Zwei Jahre ihres Lebens wird sie aufgehen in der ambitionierten aufwändigen Produktion „Das Boot“: Der Film des Regisseurs Wolfgang Petersen gehört heute mit 5,8 Millionen Zuschauern in Deutschland zu den zehn erfolgreichsten deutschen und teuersten Filmen14. Damals international noch nicht außergewöhnlich bekannte Schauspieler wie Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer gelang hier ihr großer Durchbruch15. Der Film wurde für insgesamt 6 Oscars nominiert und wurde auch in den USA sehr erfolgreich.
Sie wird die 300 Kostüme gestalten – extrem aufwändig.
„Uniformen sind normalerweise für Kostümbildner ein Albtraum, da durch vorhandene Regelwerke alles vorgeschrieben ist und kein Raum für Kreativität gegeben ist.“
Das Glück: Es gibt zwar allgemein für Marine, aber nicht für U-Boot-Besatzungen zu diesem historischen Zeitpunkt ein fixiertes Regelwerk der Bekleidung, sodass Monika Bauert freier gestalten kann – und hierzu recherchieren muss. Sie schaltet eine Anzeige ‚Suche Original U-Boot-Kleidung zwecks Verfilmung‘ mit großer Resonanz und erhält so Muster, die sie weiterbearbeiten kann.
„Mir war es wichtig, dass die Pullover auch optisch ‚stinken‘, dreckig sind, alles authentisch wirkt und die Kostüme die Charaktere individualisieren.“
Die „Mannschaft“ des U-Bootes besteht zudem in vielen Aufnahmen aus Puppen in Uniform (Ken-Puppen), die sie detailgetreu einkleidet und die per Fernsteuerung teilweise beweglich sind.16

Monika Bauert in Aktion, Foto Jan M.Brandt, Privatbesitz
„Ich musste damals die Mini-Uniformen herstellen lassen, saß 4 Wochen mit einem Mini-Puppenkoffer am Ufer von Helgoland und zog die Puppen um: Mal Ölzeug mit Südwester, mal Uniform, sog. ‚Anschlusskostüme‘ zu Szenen, die noch gar nicht gedreht worden waren. Die Figuren sind KEN, der Freund von BARBIE. Er passte von den Maßen, ich musste ihm allerdings eine andere Gesichtsfarbe verpassen.“
Monika Bauert, Das Boot:
„Wenn ich heute an das Boot zurückdenke, denke ich ‚Das habe ich gut gemacht.‘“
Monika Bauert wird die gesamte lange Drehzeit protokollieren – ein spannendes Tagebuch und beeindruckendes Zeugnis der Filmproduktion, heute im Besitz der Deutschen Kinemathek17 – nachfolgend ein Auszug:
„Lilo versieht seit Tagen die blitzblanken Messinganker-Knöpfe mit Grünspan und Grind. Die teuren goldgestickten Embleme werden zerstört, künstlich oxydiert. Mützen verformt, Ärsche ausgeweitet. Ein anderer Spezialtrupp schneidet mit Rasierklingen Löcher in die brandneuen Pullover und stopft dieselben in nächtelanger Heimarbeit mit diversen Garnen wieder zu. Ungelenk bitte, als ob die Buben es selber gemacht hätten. Drahtbürsten überall. Karin färbt und bleicht. Es stinkt fürchterlich nach faulen Eiern. Aber das ist „nur“ die Bleichlauge, damit das Drillichzeug zehnmal gewaschen wirkt. Chlor und Aceton, Bleiche und Farbe, Trichlorethylen, Nitroverdünnung, Benzin, Terpentin, Salzsäure. (…) Grau, schwarz, Gammel. Aufgeraute Kanten, „Wollmäuse“ auf den Pullovern.
Acht Wochen lang das Chaos! In der Giftküche 50 verschiedene Grautöne. Schulterklappen, Laufbahnabzeichen, Rangabzeichen, goldene Litzen, Tressen, Sterne, gestanzte oder gestickte Pleitegeier, große, kleine und kleinste Orden. (…) Wichtig ist, dass der ganze Klamottenhaufen getragen wirkt. Der Teufel sitzt im Detail. Altöl, Fett, Dreck und Schmiere auf den Kragenecken. Schön organisch wie im Leben.“
Nach dem Boot folgen zunächst weitere TV-Produktionen, in denen Bauert teils für Kostüme, teils für das Szenenbild verantwortlich ist.
Aber schon bald kehrt sie mit Wolfgang Petersens ‚Enemy Mine – Geliebter Feind‘ (mit Dennis Quaid/Lou Gosset jr. u.a.) wieder zum Kino zurück. Hier schafft sie neben Astronautenanzügen (s.u.) vor allem das herausfordernde Kostüm des Außerirdischen aus der echsenartigen Gattung der Dracs, Jeriba Shigan.
1987 stattet sie in Damianis Film ‚The Train / Der Zug‘ Ben Kingsley als Revolutionär Lenin aus.
Noch gestaltet sie Kostüme für Jeanne Moreau, Micheline Presle und Maria Schrader im Film `‘Je m‘appelle Victor‘, fokussiert sich aber von nun ab mehr auf das Szenenbild:
Für Eichingers Produktion Manta Manta (Regie Wolfgang Büld, 1990) wird sie sogar Locationfinder:
Eichinger ruft an, um sie zu bitten, innerhalb nur weniger Tage im Ruhrgebiet geeignete Drehorte zu finden – ein enormer Zeitdruck aufgrund einer alkoholbedingen Wette Eichingers, wie Monika Bauert erst später erfährt. Monika Bauert überzeugt ihn, in der Kürze der Zeit eher in Wuppertal zu suchen, das sie besser kennt – so findet sie etliche passende Drehorte in Elberfeld und Barmen18. Das Ampelduell zwischen dem von Til Schweiger gefahrenen Opel Manta und einem 3er BMW, in dem vier FC-Bayern-Fans sitzen, auf der Friedrich-Engels-Allee erhält später Kultstatus.
Wie bei nicht wenigen Produktionen und Theaterstücken arbeitet sie auch hier mit ihrem Ehemann zusammen: Olaf Tschierschke gestaltet die aufgemotzte Karosserie und die Farben des Kult-Mantas.

Quelle: MPW57, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons
Einige weitere Komödien folgen mit dem Szenenbild Bauerts:
Sönke Wortmanns ‚Der bewegte Mann‘ und ‚Das Superweib‘, sowie der Roadmovie ‚Knocking on Heavens Door‘ mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers von Regisseur Thomas Jahn – und viele weitere Kino- und Fernsehproduktionen.
Weitere Tätigkeiten
2004 verkauft das Ehepaar Bauert/Tschierschke den renovierten Bahnhof und zieht nach Berlin, ein spät verwirklichter Traum, um Zeitzeugen der Wiedervereinigung zu werden.
In all den Jahrzehnten ihrer beruflichen Laufbahn bleibt Monika Bauert vielfältig und neugierig und betritt immer wieder neue Wege. So gestaltet sie Kostüme und Szenenbild für das Musik-Video von Dune mit dem gecoverten Depeche Mode Song ‚Somebody‘ (Regie Ralf Schmerberg):
Ab 2013 gestaltet sie das Berlin Story Museum im Bunker von 1944 in Berlin Kreuzberg sowie Ausstellungen und publiziert selbst: Es erscheint das Buch ‚Das Brandenburger Tor‘ und ‚Berliner Theater‘. Zwei Jahre später ist sie Herausgeberin des Buches ‚Berliner Theaterpläne zu Beginn des 20.Jahrhunderts“.
Und: Nach all den Erfahrungen ist es an der Zeit, ihr Know How und Wissen weiterzugeben. Sie
wird Tutorin an der Filmschule NRW bzw. Internationalen Filmschule Köln19.
Sie gehört zu den Gründer*innen der Deutschen Filmakademie und ist viele Jahre Vorstand in der Sektion Szenenbild/Kostüm.20
Sie ist weiterhin aktiv und geschäftig und lebt gerne in Berlin in einer Wohnung, die viele als ‚museumsähnlich‘ betiteln – mit mehr als 160 Türklopfern (Frauenhände darstellend), die sie sammelt.
Text: Uta Kroder in Zusammenarbeit mit Monika Bauert
Quellen und Links:
Verortet im Stadtplan wurde Monika Bauert in der Von-der-Tann-Straße in Elberfeld, dem Ort ihrer Kindheit.
Fotos/Texte, Auszüge Tagebuch Das Boot, mit frdl. Genehmigung Monika Bauert
1 (auch: Monika Tschierschke-Bauert)
2 geschieden 1944
3 dann Bauert-Keetman
4 vgl. Wikipedia, https://de.wikipedia.org/wiki/Monika_Bauert (Stand: 26.08.2026) ‚vertrieben‘ ist nicht korrekt.
5 – 9 sowie andere Zitate/O-Töne Telefonat 18. Juni 2026
10 u.a. mit dem Stück Zaza 1968 – über ihre spannenden Recherchen zum ostdeutschen Autor Manfred Bieler schreibt sie später, wie sie kurzzeitig inhaftiert wurde, weil sie ihren Pass verloren hatte: https://www.hdg.de/lemo/zeitzeugen/monika-bauert-unfreiwilliger-aufenthalt-im-traenenpalast.html (Stand: 26.08.2026)
11 Nach langer Suche (max. 50 km von einer Bahnlinie entfernt, um beruflich noch guten Anschluss zu gewährleisten) erwerben sie den alten Bahnhof Reichshof Denklingen und renovieren ihn sukzessive.
12 https://trauer.tagesspiegel.de/traueranzeige/olaf-tschierschke (Stand: 26.08.2026)
13 „Nein, die berühmte Jacke von Schimanski stammt nicht von mir“ (M. Bauert). Für „Das Mädchen auf der Treppe“, der 138. Tatort-Folge aus dem Jahr 1982 mit Götz George als Horst Schimanski und der Schimanski-Folge ‚Rechnung ohne Wirt‘ wird Monika Bauert jedoch als Szenenbildnerin verantwortlich sein.
14 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Boot_(Film) (Stand: 26.08.2026)
15 Friedemann Beyer Die Crew in Mare, Heft Nr. 172, 10/2025, S. 94–99, Interviews mit Jürgen Prochnow und Herbet Grönemeyer und vor allem:
Monika Bauert Der Dreh in Mare, Heft Nr. 172, 10/2025, S. 82–93,
Auszüge auch auf https://magazin2.v-sk.de/13-remmidemmi-an-bord/ (Stand: 26.08.2026)
16 Podcast https://www.dff.film/podcast-filmgeschichte-in-objekten-ken-puppen/ (Stand: 26.08.2026)
17 https://www.deutsche-kinemathek.de/de/sammlungen-archive/sammlung-digital/personenarchive/monika-bauert (Stand: 26.08.2026)
18 Alle Drehorte aus Wuppertal und Umgebung hier in der Liste: https://www.autozeitung.de/manta-manta-filmauto-drehorte-classic-cars-198495.html (Stand: 26.08.2026)
19 1997 -2014
20 Vorstand 2008-2013





















































