Foto: © Andreas Fischer
Lilay Huser
Lilay Huser (*1958 in Bahcearasi in der Türkei) ist Schauspielerin und hat sich neben zahlreichen Film- und Theaterrollen auch durch ihre pädagogische Theaterarbeit mit Kindern und Jugendlichen für die kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft verdient gemacht.
Schon in ihrer frühen Kindheit war für Lilay Huser Flexibilität gefragt. Wegen der Berufstätigkeit des Vaters bei einer Bank standen für ihre Eltern und die vier Kinder zunächst viele Umzüge an, bis die Familie in Istanbul sesshaft wurde. Da war Lilay 13 Jahre alt.
Den Eltern war es von Anfang an wichtig, ihren Kinder eine gute Berufsausbildung oder ein Studium zu ermöglichen. Doch in den 70er Jahren war die Anzahl an Studienplätzen in der Türkei begrenzt. Nur jede/r 10. BewerberIn hatte eine Chance, einen Platz an der Universität zu bekommen.
Deshalb zog sie 1978 mit ihrem Verlobten Vedat Erincin nach Deutschland, um ein Textil-Ingenieurstudium zu absolvieren, sie heirateten und bekamen 1983 eine Tochter – Pina Erincin, die auch als Schauspielerin in Berlin und Istanbul arbeitet.
Die Schauspielerei ist schon immer ihre große Leidenschaft gewesen. Kein Wunder: bedeutet doch der Name Lilay „spielen, sich vergnügen”. Sie begann schon im Gymnasium mit Vedat Erincin Theater zu spielen und erste Erfahrungen zu sammeln. So stand sie auch während des Studiums in Deutschland bei dem türkischen Theater „Arkadas” in Köln auf der Bühne. Nach ihrem Abschluss an der Hochschule Niederrhein hätte sie aufgrund ihrer eingeschränkten Aufenthaltsgenehmigung in die Türkei zurückkehren müssen. AusländerInnen bekamen damals nur einen Arbeitsplatz, wenn es keine deutschen BewerberInnen gab. Für eine Anstellung bei dem türkischen Theater wurde allerdings eine Ausnahme gemacht. Doch leben konnte sie davon nicht. Verschiedene Nebenjobs u.a. in der Gastronomie waren nötig.
Insgesamt waren die ersten Jahre in Deutschland eine sehr schwere Zeit. „Ich bin vom Pferd auf den Esel gefallen” sagt sie selbst. Der Wechsel von dem behüteten Elternhaus in die Selbstständigkeit bedeutete auch finanzielle Unsicherheit in einem noch fremden Land. Aber zumindest ermöglichten ihr die zahlreichen Jobs, Charakterstudien für die Schauspielerei zu betreiben.
Als sich nach 5 Jahren die arbeitsrechtlichen Vorschriften änderten, war es zu spät für den Berufseinstieg als Textilingenieurin und die Schauspielerei wurde zum Hauptberuf.
1987 folgte der Umzug nach Wuppertal und hier gründete sie 1991 zusammen mit Barbara Krott (Bühnenbildnerin), Vedat Erincin (Schauspieler) und Meray Ülgen (Regisseur) das interkulturelle Wupper Theater. Aktuelle gesellschaftliche Themen aufgreifen, die eigenen Wurzeln betrachten und mit unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenarbeiten ist die Zielsetzung der Gruppe.
Wupper Theater Gründung © Antje Zeis-Loi
Lilay Huser liebt die Arbeit mit den Kindern und freut sich, deren Entwicklung teilweise über Jahre beobachten zu können.
Bekannt und beliebt beim Wuppertaler Publikum ist das deutsch-türkische Kabarett-Duo „Die Trockenblumen” – auch ein Projekt des Wupper Theaters. In Theaterstücken über Migration, Verständigung und Fremdsein werden sprachliche Spitzfindigkeiten sowie kulturelle Stolpersteine thematisiert.
Lilay Huser spielt die Türkin Ayse und Marcia Golgowsky die Deutsche Hilde.
Hilde ist geschieden, dreist, aber charmant und Ayse hat 6 Kinder, ist abenteuerlustig und humorvoll.
Die älteren Damen freunden sich an und erleben allerlei Abenteuer. Beide sind sehr ihrer jeweiligen Tradition verhaftet und halten dem Publikum humorvoll die kulturellen Unterschiede, Vorurteile und Widersprüchlichkeiten vor Augen.
Von 2009 bis 2024 präsentierte das Duo immer wieder neue Stücke und die Titel sprechen für sich – „Trockenblumen”, „Krähenfüße”, „Mitgift und Galle”, „Orient Exzeß”, „Fensterkissen zum Hof” und „Alman an Bord?”.
Für diese Produktionen fungiert Lilay Huser auch als Managerin und organisiert Auftritte weit über Wuppertal hinaus – bundesweit und in Italien, Österreich und in der Türkei.
Foto: Trockenblumen © Patrick Ley
Als wegen der Corana-Pandemie die Aufführungen ausfallen mussten, veröffentlichte das Duo ab Mai 2021 monatliche Kurzsketche auf https://www.youtube.com/Trockenblumen1.
1998 vollzieht Lilay Huser den Schritt von der Bühne vor die Kamera. Es folgen zahlreiche Rollen u.a. in diversen Fernsehkrimis wie Großstadtrevier, Notruf Hafenkante, Soko Potsdam und Tatort. In der 3. Staffel der Serie Türkisch für Anfänger spielt sie die Großmutter Öztürk – ihre Lieblingsserie, auf die sie bis heute von Jugendlichen angesprochen wird.
Bundesweit bekannt wurde sie 2011 mit einer der Hauptrollen in dem Film Almanya – Willkommen in Deutschland. Diese Tragikomödie schildert einfühlsam und humorvoll die Probleme einer türkischen Gastarbeiterfamilie in Deutschland – die Zerrissenheit zwischen alter und neuer Heimat und die verschiedenen Ziele und Perspektiven der Familienmitglieder. Der Film wurde einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 2011 und erhielt den Deutschen Filmpreis für das beste Drehbuch sowie auch einige internationale Preise.
Auch im Rahmen der SchulKinoWochen wurde der Film mehrere Jahre lang in verschiedenen Bundesländern gezeigt. Hier haben Schulklassen die Möglichkeit, besonders wertvolle Filme im Kino zu sehen, mit den Filmschaffenden zu sprechen und Hintergrundinformationen über die Filmindustrie zu bekommen.
….. und in einem Wuppertaler Film darf Lilay Huser nicht fehlen. 2013 ist sie als Teil einer ungewöhnlichen Soko in King Ping – Tippen Tappen Tödchen zu sehen, einer schrägen Krimikomödie mit viel Lokalkolorit und einigen bekannten Gesichtern aus dem Tal.
Foto: Filmgala © Andreas Fischer
Aktuell ist sie in der Rolle der Nuray Gülek in der RTL Serie „Unter uns” zu sehen. Die Dreharbeiten für die fünf mal in der Woche ausgestrahlten Folgen sind zeitintensiv, sodass sie die Arbeit beim Wupper Theater etwas einschränken muss und ebenso bleibt auch wenig Zeit für Ihre Hobbies Schwimmen und Backgammon.
Foto: Portrait © Antje Zeis-Loi
Insgesamt blickt Lilay Huser nun auf über 50 Jahre Bühnenerfahrung zurück und lebt seit fast 40 Jahren in Wuppertal – inzwischen mit ihrem zweiten Mann. Die Steigungen der Stadt würde sie am liebsten wegzaubern, aber ansonsten fühlt sie sich hier sehr heimisch. So sehr, daß sie gerne die Kommissarin in einem Wuppertaler Tatort spielen würde. Das können die Wupperfrauen nur begrüßen.
Text: Petra Bald (Stand: 20.02.26)
Verortung: Husumer Straße Elberfeld
Quellen:
Persönliches Gespräch am 29.12.2025
https://de.wikipedia.org/wiki/Lilay_Huser abgerufen 17.12.2025
https://de.wikipedia.org/wiki/Almanya_%E2%80%93_Willkommen_in_Deutschland abgerufen 17.12.2025
https://www.wupperleben.de/2020/06/04/im-portraet-lilay-huser/ von Stephanie Spichala abgerufen am 17.12.2025
http://www.wuppertheater.de/ abgerufen am 17.12.2025
https://www1.wdr.de/mediathek/lokalzeit-bergisches-land-clip-lokalzeit-bergisches-land–12-07-2024-100.html abgerufen am 17.12.2025
https://www.international-actors.de abgerufen am 04.01.2026
Westdeutsche Zeitung 25.01.2014 Seite 22, „Monaco 110”: Lilay Huser spielt in neuer Krimi-Serie mit von Tanja Heil
Westdeutsche Zeitung 17.05.2019 Seite 19, Die Trockenblumen werden zehn von Joanna Kaufhold
Westdeutsche Zeitung 18.12.2021 Seite 20, 30 Jahre Wupper Theater 30 Jahre Interkulturelle Arbeit von Bernadette Brutscheid
Westdeutsche Zeitung 22.01.2022 Seite 22, Wie Wolf und Lamm helfen, Mehrsprachigkeit zu schätzen von Bernadette Brutscheid
Westdeutsche Zeitung 07.08.2025 Seite 17, Von Fernsehdrehs und Pina Bausch von Jule Frank























