Bild: Eva-Maria Krane | Foto © Uta Kroder
Wupperfrauen besuchen den Erinnerungsort Alter Schlachthof in Düsseldorf
Bevor Studierende der Hochschule Düsseldorf heutzutage in ihre Bibliothek gehen, um zu recherchieren, zu lesen und zu forschen, werden ihre Schritte schon im Eingangsbereich durch einen Bereich des Gedenkens geleitet: Der Ausstellung des Erinnerungsortes Alter Schlachthof.
Fast 6000 Juden und Jüdinnen wurden vom Düsseldorfer Güterbahnhof Derendorf aus nach Osteuropa in Konzentrationslager und Ghettos deportiert, viele davon auch aus Wuppertal. Nur sehr wenige überlebten.
Sammelstelle für die Region Düsseldorf1 war der städtische Schlacht- und Viehhof, in dem jüdische Männer, Frauen und Kinder registriert, durchsucht und ihrer letzten Habe beraubt wurden – genau in einem dieser Gebäude befindet sich die heutige Bibliothek.
Der ehemalige Schlacht- und Viehhof: Schon von außen hat man einen Blick auf die Ausstellung im Inneren. Vor dem Gebäude sind Informationen zum Entstehen des Nationalsozialismus, des NS-Regimes und der Zeit danach aufbereitet.
Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Eva-Maria Krane führte diese Woche unseren Verein Wupperfrauen e.V. durch die Ausstellung.

Foto: Uta Kroder
Eva-Maria Krane vor den rechts und links im Eingang im Gebäude platzierten Ausstellungstafeln.
Auf ihnen erfahren Besucher und Besucherinnen Einblicke in Biografien, in Details der Deportation und weitere Hintergrundinformationen.

Ausstellungstafel
„Dann standen wir die ganze Nacht im Schlachthof herum…“,
beschreibt Hilde Shermann-Zander2, eine der wenigen Überlebenden, die von hier in das Ghetto Riga deportiert wurde.
Die Viehhalle damals und heute:



Auch mitten in der Bibliothek wurden Teile der Deportationsstelle erhalten, so auch die Steintröge für das Großvieh.
„In den Steintrögen des Schlachthofs lagen Babys und Kleinkinder und weinten die ganze Nacht…“, beschreibt Sherman-Zander3.
Über einen erhaltenen (damalig für Tiere angelegten) schrägen Abstieg gelangt man in den unteren Bereich der Gesamt-Ausstellung, die interdisziplinär aus mehreren Fachbereichen konzipiert und ausgestaltet wurde. Hier stehen interaktiv aufbereitete Informations-Displays bereit, mit denen Interessierte anhand von Biografien und Archivquellen weiter forschen können.
Wir bedanken uns bei Eva Krane sehr herzlich für Ihre Führung, bei der die Bereitschaft der Zusammenarbeit beidseitig erneut bekundet wurde.
Der Erinnerungsort ist übrigens jederzeit während der Öffnungszeiten der Bibliothek kostenfrei zugänglich – und mehr als empfehlenswert.
1 Züge fuhren von hier aus meist über die Sammelstelle Wuppertal Steinbeck, wo Juden und Jüdinnen aus der Region Wuppertal versammelt und dann mitdeportiert wurden. Es gab aber auch Juden und Jüdinnen aus Wuppertal bei einigen Deportationen, die sich vorher am Düsseldorfer Schlachthof einfinden mussten.
2 und 3: Hilde Shermann-Zander: Zwischen Tag und Dunkel. Mädchenjahre im Ghetto. Frankfurt/Main 1984.



















