Foto: © mit frdl. Genehmigung Jörn Flüshöh & Familie
Emma Schneider
Emma Schneider ist im heutigen Wuppertal bekannt als Romanfigur des Buches „Emma, die Kaffeerösterin“1. Die Autorin, Erika Flüshöh-Niemann, ist die Urenkelin von Emma Schneider. Der Roman beruht auf der Lebensgeschichte der zu Lebzeiten bekannten Kaffeerösterin, die mit ihrem Mann aus dem kleinen Spezereienladen seiner Eltern im heutigen Luisenviertel einen Großhandel für Kaffee, Kakao und Tee aufbaute. Die von Jürgen Wachs, dem Bruder der Autorin, verwahrten Briefe und Dokumente zur Familiengeschichte sind nicht erhalten, im Roman jedoch ausführlich zitiert. Diese Biografie fußt deshalb auf den Fakten und Briefen, die im Roman verwertet wurden und mit hoher Wahrscheinlichkeit valide sind.
Emma war das zweite Kind der Familie Backhaus. Geboren wurde sie am 9. Februar 18452 in Haan auf dem Hof Obgruiten3. Zum älteren Bruder, Hannes, kam noch eine jüngere Schwester, Emilie, bei deren Geburt die Mutter Wilhelmine, geborene Schradt, ca. 1848 verstarb. Die Großmutter zog auf den Hof und führte den Haushalt.
Der Vater, Wilhelm Backhaus (zuvor Backes), litt unter einer Lungenkrankheit. Sein Bruder Friedrich, selbst Landwirt, bewirtschaftete den Hof, da Wilhelm Backhaus dazu nicht mehr in der Lage war. Durch Landverkauf an die Eisenbahngesellschaft, die die Strecke Elberfeld – Düsseldorf baute, gelangte die Familie zu einigem Wohlstand. Nach dem Tod des Vaters in der Adventszeit 1850 lebten die Geschwister bei Onkel Friedrich und Tante Pia auf Gut Bollenberg (Vgl. Fußnote 3).
1862 zog Anna mit 17 Jahren auf Vermittlung von Wilhelm Schradt, dem Bruder der Mutter, nach Elberfeld und begann dort eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin in der Pension von Frau Krügener in der Casinostraße 47. Es war hilfreich, dass sie auf Gut Bollenberg und in der Gaststätte von Onkel Wilhelm und Tante Anne bereits gute Erfahrungen in diesem Bereich sammeln konnte, auch das Kaffeerösten gehörte selbstverständlich dazu.
Aus einem Brief von 25. März 1863 an ihren Bruder Hannes, der in Moers studierte, um Lehrer zu werden: „Oft fehlst du mir! Mir gefällt die Arbeit bei Frau Krügener aber gut, ich habe viele, sehr liebe Menschen um mich, die mir freundlich gesonnen sind. Vor allem die Familien Lührmann und Wachs stehen an meiner Seite und beraten mich. … Mathilde Wachs habe ich mich am meisten angeschlossen.“ Bei Frau Krügener sammelte sie weitere Erfahrungen im Rösten von Kaffee.
Emmas Lehrzeit endete 1863 und sie brauchte eine Anstellung in Elberfeld, denn zurück zu den Verwandten auf Gut Bollenberg wollte sie nicht. Endlich wurde ihr eine Stelle als Gesellschafterin angeboten. Emma merkte schnell, dass ihre Arbeitgeberin, Fräulein Grünenthal, ihr nicht wohlgesonnen war. Daher kündigte sie noch Weihnachten 1863. Durch Vermittlung von Frau Krügener erhielt sie eine Stelle bei einem ehemaligen Pensionsgast, dem Druckereibesitzer und Zeitungsverleger Louis Friedrichs, der vor kurzem geheiratet hatte. Sie wurde in dessen Haus in der Königsstraße, heute Friedrich-Ebert-Straße, am 2. Januar 1864 freundlich empfangen.
Ihre beste Freundin, Mathilde Wachs, heiratete 1864 den Färbereibesitzer Peter August Lohe. Über ihre Einladung dazu schrieb Emma an ihren Bruder Hannes am 15. April 1864: „Lieber Hannes, Du kannst dir denken, wie glücklich mich diese Einladung macht! Es wird mir eine große Ehre sein, inmitten von angesehenen Bürgern der Stadt bei diesem glanzvollen Fest an Mathildes Seite sein zu dürfen.“
Im selben Jahr lernte sie ihren späteren Ehemann Friedrich Ludwig Schneider kennen. Dieser wohnte mit seiner Mutter Hanna, geborene Honsberg, im Haus Luisenstraße 15, in dem sich auch deren Spezereiwarengeschäft befand. Er wurde am 27. Juli 18424 geboren, das Geschäft gründete sein Vater Sebastian Schneider 1844.
1867 übernahm es der Sohn, geführt wurde das Geschäft von seiner Mutter. Friedrich Ludwig Schneider absolvierte eine kaufmännische Ausbildung beim Bankhaus Von der Heydt-Kersten und Söhne, die er am 1. April 1868 beendete. Danach fand er eine gute Stellung als Kaufmann bei der Bandweberei Abraham und Gebrüder Frohwein am Neumarkt. Damit stand einer Heirat nichts mehr im Wege. Am 5. August 1868 heirateten die beiden5 in der Luisenstraße 15, wo sie dann auch gemeinsam wohnten.
Emma war zunächst nur für den Haushalt zuständig, der auch die Pensionsgäste einschloss. Im Geschäft mochte ihre Schwiegermutter sie nicht arbeiten sehen, sie haderte damit, dass ihr Sohn ein Bauernmädchen geheiratet hatte.
Nur langsam änderte sich diese Einstellung, als Emma durch ihr Talent und ihre Erfahrung im Rösten von Kaffeebohnen sowie ihre freundliche und zugewandte Art Kundinnen an das Geschäft band. Ihre Auswahl hochwertiger Sorten und ihr Talent für gute Mischungen wurden bekannt, das Geschäft wuchs und wurde weiter ausgebaut.
Das Ehepaar Schneider bekam zwei Töchter, Johanna und Helene. Da Emma Schneider zunehmend im Geschäft tätig war, wurden Hausmädchen eingestellt, die dann auch für die Betreuung der Töchter zuständig waren. Eine Erweiterung des Geschäfts wurde notwendig, neue Lager- und Produktionsstätten wurden gebaut, ein Prokurist bekam ein Büro, dabei half auch Emmas Erbe durch den Verkauf der Grundstücke in Obgruiten.
1889 heirateten Friedrich Wachs und Johanna Schneider, die Tochter von Emma. Die Familien Schneider und Wachs planten und bauten Ende des 19. Jh. das Zweifamilienhaus in der Moltkestraße 18 /18a im Briller Viertel.
Moltkestr.18 © Andrea Möller
So half Emma gern auch bei der Betreuung der Enkelkinder und Friedrich widmete sich seinem Interesse für Geschichte, trat 1891 dem Bergischen Geschichtsverein bei und arbeitete ab 1900 im Vorstand.
Friedrich Ludwig gab Anfang des neuen Jahrtausends seine Stellung bei Abraham Frowein auf und übergab 1908 die Rösterei an Carl Backhaus, den Sohn von Emmas Bruder Hannes, der den Einkauf betreute, und Georg Mühlhausen, der schon zuvor als Prokurist in der Firma tätig war. Auch Emma verbrachte schon seit einigen Jahren nicht mehr jeden Tag in der Rösterei und überzeugte sich nur hier und da davon, dass die Qualität des Kaffees weiterhin ihren Ansprüchen genügte und alles zu ihrer Zufriedenheit weiterlief.
Die Enkel Friedrich, genannt Fritz, und Hans verließen nach dem Abitur das Haus zum Studium in Dresden und zogen, wie so viele, schon Anfang 1915 als Freiwillige in den Krieg. Am 30. Januar 19176 starb Friedrich Ludwig Schneider. Die Enkel kamen kurz vor Weihnachten 1918 zurück. Emma Schneider überlebte ihren Mann und starb erst am 8. Januar 19347.
Text: Andrea Möller (Stand: 27.04.2026)
nach:
Flüshöh-Niemann, Erika, „Emma, die Kaffeerösterin:
Mit frdl. Genehmigung des Bergischen Verlages | RS Gesellschaft für Informationstechnik | Auf dem Knapp 35 | 42855 Remscheid
Verortung: Luisenstraße 15, eh. Standort Kontor F.L. Schneider
Quellen:
1 Flüshöh-Niemann, Erika, „Emma, die Kaffeerösterin.“, Remscheid, Bergischer Verlag, 2. überarbeitete Auflage 2/2016
2 Stadtarchiv Haan, Geburtsregister 1845, Registernummer. 62, 09.01.1845
3 Vgl. Flüshöh-Niemann S. 15, Obgruiten, Stropmütze, Bollenberg – Ortsbezeichnungen in Haan-Gruiten
4 Stadtarchiv Wuppertal, Geburtsregister 1842 Elberfeld, Registernummer 1088, Friedrich Ludwig Schneider, 27.07.1842,
5 Stadtarchiv Wuppertal, Heiratsregister 1868 Elberfeld, Registernummer 451, 05.08.1868 (im Buch ist der 06.08.1868 angegeben)
6 Stadtarchiv Wuppertal, Sterberegister 1917 Elberfeld, Registernummer 291, Friedrich Ludwig Schneider, 30.01.1917
7 Sterberegister 1934 Elberfeld, Stadtarchiv Wuppertal, Registernummer 41, Emma Backhaus, 08.01.1934
8 Zum Thema ‚Kaffee‘ vgl. auch wikipedia.org, kaffee-genius.de, dinzler.de, kaffeeheimat.de
Fotos:
© mit frdl. Genehmigung Jörn Flüshöh & Familie

















